OpenAI startet ChatGPT-Werbung: Smartly.io wird erster Creative-Adtech-Partner
OpenAI treibt seinen Werbe-Einstieg voran. Nach dem Start des Anzeigen-Pilots im Februar und der Partnerschaft mit Criteo im März kommt nun Smartly.io als erster Creative-Adtech-Partner hinzu. Das Unternehmen will konversationelle Werbeformate entwickeln, die sich nahtlos in ChatGPT-Gespräche einfügen.
Smartly.io bringt Konversation in die Werbung
Die Partnerschaft zwischen OpenAI und Smartly.io wurde Anfang April 2026 bekannt gegeben. Unter der Führung von Adtech-Veteranin Laura Desmond soll Smartly zunächst helfen, Werbeanzeigen in Echtzeit zu optimieren. Langfristiges Ziel ist ambitionierter: Interaktive Werbeformate, die ChatGPTs konversationelle Stärke für Marken nutzbar machen.
Als Referenz nennt Desmond bereits existierende conversational ads für den britischen Retailer Boots auf Meta-Plattformen. Dort öffnet sich beim Klick auf die Anzeige ein Chatbot-Fenster, das basierend auf Nutzerfragen personalisierte Geschenkempfehlungen liefert. Laut Smartly.io war dieses Format fast fünfmal effektiver bei der Umsatzgenerierung als Standard-Anzeigen.
Der Weg zum „Shopping Mall“-Modell
OpenAI verfolgt mit seinem Werbegeschäft eine klare Strategie: ChatGPT soll sich von reinem Informations-Tool zu einer „Shopping Mall“ entwickeln, in der Werbung als interaktiver „Verkäufer“ fungiert. Nutzer, die Produktempfehlungen suchen, sollen direkt innerhalb der Konversation beraten werden können.
Der Rollout erfolgt schrittend. Aktuell sehen nur Nutzer der kostenlosen Free- und Go-Tarife Werbung. Bezahlte Abonnements wie Plus, Pro und Enterprise bleiben werbefrei. Die Anzeigen erscheinen als „Sponsored“ gekennzeichnete Boxen unterhalb der organischen Antworten und sind vom Chat-Verlauf kontextuell abgeleitet.
Zwei strategische Partnerschaften binnen Wochen
Mit Criteo (März) und Smartly.io (April) hat OpenAI innerhalb kürzester Zeit zwei etablierte Adtech-Unternehmen als Partner gewonnen. Criteo ermöglicht über seine Demand-Side-Platform (DSP) programmatischen Zugang für rund 17.000 Werbetreibende. Die CPM-Preise liegen bei etwa 60 Dollar – etwa dreimal so hoch wie bei Meta.
Smartly.io ergänzt diesen technischen Zugang um kreative Optimierung. Das Unternehmen arbeitet bereits mit Kunden aus Entertainment, Retail und Sport an einem Pilotprogramm für die neuen konversationellen Werbeformate.
Was Werbetreibende jetzt wissen sollten
Für Marketer eröffnet sich ein neues Terrain mit eigenen Regeln. Anders als bei klassischer Keyword-Advertising auf Google oder Meta, positionieren sich Marken hier innerhalb konversationaler Kontexte. Die Relevanz ergibt sich nicht aus Suchbegriffen, sondern aus dem Dialogverlauf.
Datenschutztechnisch sind die Anzeigen strikt von den Chat-Daten getrennt. Werbetreibende erhalten keine Einblicke in Gespräche oder persönliche Nutzerdaten – nur aggregierte Performance-Metriken wie Views und Klicks. Anzeigen werden nicht für sensible Themen wie Gesundheit oder Politik geschaltet, Nutzer unter 18 Jahren sehen generell keine Werbung.
Ausblick: Von kontextuellen Anzeigen zu „Mini-Chatbots“
Der aktuelle Stand ist nur der Anfang. OpenAI plant für das zweite Quartal 2026 den Launch von Self-Serve-Werbetools sowie die internationale Expansion nach Kanada, Australien und Neuseeland. Später im Jahr sollen Direct-to-Chat-Kaufintegrationen und ein Creator-Revenue-Sharing-Programm für GPT-Builder folgen.
Für das Marketing bedeutet dies: Wer in ChatGPT präsent sein will, muss umdenken. Statt klassischer Display- oder Suchwerbung gilt es, sich auf konversationelle Formate vorzubereiten, die Mehrwert im Dialog liefern – nicht unterbrechen.
Quellen
- Business Insider: OpenAI is working with Smartly to bring conversational ads to ChatGPT
- Mediapost: Smartly Becomes Creative Partner To ChatGPT’s ‚Shop‘
- Criteo Investor Relations: Criteo Joins OpenAI Advertising Pilot in ChatGPT
- Adventure PPC: ChatGPT Ads Launch 2026
- OpenAI Help Center: Ads in ChatGPT

