Anthropic’s Project Glasswing: KI findet 10.000+ kritische Sicherheitslücken – faster als Entwickler patchen können
Anthropic hat die ersten Ergebnisse aus Project Glasswing veröffentlicht – und die Zahlen sind beunruhigend. Das KI-Modell Claude Mythos Preview hat innerhalb eines Monats über 10.000 hoch- bis kritisch eingestufte Sicherheitslücken in systemrelevanter Software entdeckt.
Das Problem: Die Lücken werden schneller gefunden als behoben
Das Besorgniserregende: Die KI findet Schwachstellen jetzt schneller, als Sicherheitsteams sie verifizieren, melden und patchen können. Anthropic spricht von einer „gefährlichen Übergangsphase“ für die Cybersicherheit.
Die Entdeckungsrate ist laut Partnerberichten um das Zehnfache gestiegen:
- Cloudflare: 2.000 Bugs gefunden, davon 400 hoch/kritisch – mit einer niedrigeren Fehlalarm-Rate als menschliche Tester
- Mozilla: 271 Schwachstellen in Firefox 150 entdeckt – mehr als zehnmal so viele wie mit dem Vorgängermodell Claude Opus 4.6
- Palo Alto Networks: Fünfmal so viele Patches wie üblich im letzten Release
- Microsoft: Die Anzahl neuer Patches wird „weiterhin zunehmen“
Open Source unter Beschuss
Neben Partnerprojekten scannte Anthropic über 1.000 Open-Source-Projekte:
- 6.202 hoch- bis kritisch eingestufte Schwachstellen gefunden (von 23.019 insgesamt)
- 90,6% der geprüften Lücken wurden als echte Positivbefunde bestätigt
- 62,4% als tatsächlich hoch- bis kritisch eingestuft
- Ergebnis: Schätzungsweise 3.900 bestätigte hoch- bis kritische Schwachstellen allein in Open-Source-Code
Ein besonderer Fall: In wolfSSL – einer Kryptografie-Bibliothek, die von Milliarden Geräten genutzt wird – konstruierte Mythos Preview einen Exploit für gefälschte Zertifikate. Bank-Websites oder E-Mail-Dienste hätten damit täuschend echt aussehende gefälschte Seiten hosten können.
Die Patches kommen zu langsam
Bisher wurden nur 75 der 530 gemeldeten hoch- bis kritischen Bugs gepatcht. Warum so wenige?
- Die 90-tägige Offenlegungsfrist läuft noch
- Viele Patches werden ohne öffentliche Warnung eingespielt
- Die größte Ursache: Entwickler sind überlastet – einige baten Anthropic sogar, die Melderate zu verlangsamen
Die durchschnittliche Zeit zum Patchen einer kritischen Schwachstelle: zwei Wochen. In der Zwischenzeit wachsen die Risiken.
Was bedeutet das für Unternehmen?
Anthropic warnt vor einer „gefährlichen Übergangsphase“: Modelle mit ähnlichen Fähigkeiten wie Mythos Preview werden bald allgemein verfügbar sein. Das macht das Finden und Ausnutzen von Schwachstellen deutlich einfacher und billiger für potenzielle Angreifer.
Empfohlene Maßnahmen:
- Patch-Zyklen verkürzen
- Sicherheits-Updates so einfach wie möglich bereitstellen
- Mehrfach-Authentifizierung erzwingen
- Netzwerkkonfigurationen absichern
- Umfassende Logs zur Erkennung und Reaktion führen
Tools zur Selbstverteidigung
Anthropic stellt Unternehmen jetzt Werkzeuge bereit:
- Claude Security: Öffentliche Beta für Enterprise-Kunden – bereits über 2.100 Schwachstellen damit gepatcht
- Cyber Verification Program: Für legitime Sicherheitsforschung
- Skills, Code-Scanner und ein Bedrohungsmodell-Builder für qualifizierte Sicherheitsteams
Fazit
Project Glasswing zeigt, dass KI die Cybersicherheit fundamental verändert. Die gute Nachricht: Software kann künftig sicherer gebaut werden, weil Bugs vor dem Deployment gefunden werden. Die schlechte: Wir befinden uns in einer Phase, in der Schwachstellen rasant entdeckt, aber nur langsam behoben werden. Für Unternehmen heißt das: Patch-Prozesse beschleunigen und grundlegende Sicherheitsmaßnahmen priorisieren.
Quelle: Anthropic Research Blog, The Decoder – Mai 2026
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