Eine aktuelle Analyse von SE Ranking zeigt: Google verlinkt in seinem AI Mode zunehmend auf sich selbst. Die Selbstzitationsrate hat sich in weniger als einem Jahr verdreifacht – von 5,7 auf 17,4 Prozent aller Quellenverweise. In 19 von 20 untersuchten Branchen ist Google.com die meistzitierte Quelle. Für SEOs, Publisher und Marketing-Profis hat das weitreichende Konsequenzen – insbesondere im Kontext des europäischen Wettbewerbsrechts.

Die Kernzahlen: 1,3 Millionen Zitationen unter der Lupe

Die dritte große Untersuchung von SE Ranking zum Thema AI-Mode-Zitationen liefert erstmals ein umfassendes Bild davon, wie Google seine eigene KI-Suche mit Quellen bestückt. Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick:

Branchenunterschiede: Reise und Unterhaltung besonders betroffen

Die Studie zeigt erhebliche Unterschiede zwischen den Branchen. Am stärksten betroffen ist der Reisebereich: Hier verweisen 53,18 Prozent aller AI-Mode-Zitationen auf Google.com – mehr als die Hälfte. Im Bereich Unterhaltung und Hobbys sind es 48,74 Prozent, bei Immobilien immerhin noch 30,54 Prozent.

Selbst in spezialisierten Branchen wie Finanzen (5,13 %) und Versicherungen (6,48 %) ist Google die meistzitierte Quelle – obwohl dort Fachinformationen von Drittanbietern deutlich relevanter sein dürften.

Strukturwandel: Von Google-Business-Profilen zu organischen Suchergebnissen

Besonders aufschlussreich ist die Veränderung in der Art der Selbstverlinkung. Noch im Juni 2025 führten 97,9 Prozent der Google-Eigenverweise im AI Mode auf Google-Business-Profile (GBP). Direkte Links auf organische Suchergebnisseiten gab es damals nicht.

Das hat sich grundlegend geändert:

Mordy Oberstein, Head of Brand bei SE Ranking, kommentierte auf LinkedIn: „In what is one big giant circle-jerk, Google is citing itself 3X more than it used to in AI Mode. 17 % of all citations are to Google itself. Way more than any other source.“ Dass die Verlinkung von GBP-Einträgen auf organische SERPs wechsle, mache dies nicht länger nur zu einem Local-SEO-Thema.

Der Kontext: Google baut seinen KI-Traffic-Vorsprung aus

Die Selbstzitationspraxis steht nicht isoliert. Parallel zeigt eine weitere aktuelle Auswertung von Similarweb (veröffentlicht am 12. März 2026), dass sich die Kräfteverhältnisse im KI-Markt verschieben:

Die Strategie dahinter ist klar: Google nutzt den AI Mode als Instrument, um Nutzer im eigenen Ökosystem zu halten. Jeder Klick auf eine Google-SERP innerhalb einer KI-Antwort führt den Nutzer tiefer in die Google-Welt – mit YouTube-Videos, Bewertungen, Google Maps und Werbeanzeigen. Das steigert die Verweildauer und die Werbeeinnahmen.

Europäisches Wettbewerbsrecht: Selbstbevorzugung unter Beobachtung

Für den europäischen Markt ist diese Entwicklung besonders brisant. Die EU-Kommission hat Google in der Vergangenheit bereits wegen Selbstbevorzugung in der Suche zu Milliarden-Strafen verurteilt (Google Shopping, 2017). Der Digital Markets Act (DMA), seit März 2024 in Kraft, verbietet Gatekeepern ausdrücklich, eigene Dienste gegenüber denen von Wettbewerbern zu bevorzugen.

Die aktuellen Zahlen könnten genau dieses Problem belegen: Wenn Google in seinem AI Mode systematisch auf eigene Suchergebnisseiten statt auf externe Quellen verlinkt, könnte das als Selbstbevorzugung im Sinne des DMA interpretiert werden.

Google hat bereits reagiert und Anfang März 2026 angekündigt, die Suchergebnisse in Europa zu ändern und Wettbewerbern mehr Präsenz einzuräumen. Ob diese Anpassungen auch den AI Mode betreffen, ist bisher nicht klar. Die Diskrepanz zwischen den US-Daten der SE-Ranking-Studie und dem, was europäische Regulatoren erwarten, könnte in den kommenden Monaten zum Prüfstein werden.

Alex Wright, Managing SEO Partner bei dentsu, warnt: „Google hat seit Jahren versucht, Nutzer in seinem Ökosystem zu halten – das hier ist ein weiteres Beispiel. Es ist eine beängstigende Zeit für Publisher und Marken, die auf tatsächliche Besucher auf ihren Webseiten angewiesen sind.“

Parallel: Google Search Console erhält Brand-Filter

Zeitgleich hat Google ein neues Feature in der Search Console ausgerollt, das SEOs einen besseren Überblick über ihre Markensichtbarkeit gibt. Der neue Filter für marken- und nicht-markenbezogene Suchanfragen im Leistungsbericht nutzt KI, um Suchanfragen automatisch zu klassifizieren – inklusive Tippfehler und Produktnamen-Suchen.

Google Search Advocate John Mueller bestätigte, dass es derzeit keine Pläne gibt, Website-Betreibern die Anpassung dieser Klassifikation zu ermöglichen. Das Feature ist für alle qualifizierten Properties verfügbar, Sub-Properties und Seiten mit wenigen Impressionen sind vorerst ausgenommen.

Eli Schwartz, Autor von „Product-Led SEO“, ordnete auf LinkedIn ein: „SEO-Teams können jetzt segmentieren, wo sie bei Non-Brand-Impact geholfen haben – aber es bedeutet auch, dass die Geschäftsleitung den Brand-Noise herausfiltern kann, hinter dem sich manches SEO-Team versteckt.“

Praktische Folgen für Marketing-Profis: Was jetzt zu tun ist

Die Entwicklungen erfordern eine strategische Anpassung. Hier die konkreten Handlungsempfehlungen:

1. Marken-Sichtbarkeit über Klicks hinaus messen

Im AI Mode zählen Brand Mentions mehr als je zuvor – auch ohne direkten Link. Tracking-Tools für AI-Antworten (z. B. SE Ranking AI Mode Tracker oder ähnliche GEO-Tools) sollten Teil des Standard-Monitorings werden. Die Frage ist nicht mehr nur „Wie viele Klicks bekomme ich?“, sondern „Wird meine Marke in KI-Antworten erwähnt?“

2. GEO-Strategien (Generative Engine Optimization) implementieren

Klassische SEO reicht nicht mehr. GEO umfasst die Optimierung für KI-generierte Antworten – durch strukturierte Daten, klare Entitäten-Definitionen, konsistente NAP-Daten (Name, Adresse, Telefon) und die gezielte Platzierung in Quellen, die von KI-Systemen bevorzugt zitiert werden.

3. Content-Autorität gezielt aufbauen

Die SE-Ranking-Studie zeigt: In spezialisierten Branchen zieht der AI Mode bevorzugt etablierte Autoritätsquellen heran. Wer als Referenz in seiner Nische gelten will, muss in Datenqualität, Expertise und regelmäßige Aktualisierung investieren.

4. Google Business Profile weiter pflegen

Obwohl der GBP-Anteil an den Selbstzitationen von 97,9 auf 36,1 Prozent gesunken ist, bleiben Business-Profile eine relevante Quelle im AI Mode. Google hat gerade erst neue GBP Playbooks mit Optimierungstipps an Website-Betreiber verschickt – ein klares Signal, dass lokale Optimierung weiterhin zählt.

5. Attribution und Funnels überdenken

Himani Kankaria von Missive Digital bringt es auf den Punkt: „Wir bewegen uns von Traffic-Verlust zu Sichtbarkeits-Verlust im AI Mode. SEOs und Unternehmen brauchen stärkere Funnels und engere Attribution, um zu beweisen, dass Google Organic noch Kundenakquise liefert.“ Der neue Brand-Filter in der Search Console kann dabei helfen, die Wertschöpfung von SEO transparenter zu machen.

6. Diversifizierung der Traffic-Quellen

Angesichts der Verschiebungen im KI-Markt (Gemini wächst, ChatGPT verliert Anteile) sollten Marketing-Profis ihre Sichtbarkeit über mehrere KI-Plattformen hinweg monitoren und optimieren – nicht nur für Google AI Mode, sondern auch für ChatGPT, Perplexity und weitere Anbieter.

Quellen

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